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Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Vorsorgeverfügungen werden von Menschen verfasst, die sich zurecht Gedanken über eine mögliche zukünftige Lebensphase machen, in der sie aufgrund einer schweren Erkrankung oder in Folge eines plötzlichen Unfallgeschehens nicht mehr dazu in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln und Entscheidungen uneingeschränkt selbst treffen zu können.

Die umfangreichen Möglichkeiten der modernen Medizin, sowie die unterschiedlichen Werteorientierungen aller beteiligten Menschen, lassen es notwendig erscheinen, das Recht auf Menschenwürde, das allgemeine Persönlichkeitsrecht einschliesslich des Rechts auf Selbstbestimmung durch eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht zum Ausdruck zu bringen und zu wahren.

Eine volljährige Person kann in einer schriftlichen Patientenverfügung im voraus Anordnungen für Entscheidungen in der letzten Lebensphase treffen.

Der Patient kann in der Patientenverfügung konkrete ärztliche Massnahmen, die erst in Zukunft erforderlich werden können, im voraus einwilligen oder untersagen. Die Patientenverfügung muss daher konkrete Festlegungen für bestimmte Situationen umfassen. Diese Festlegungen sind dann für andere verbindlich.

Der aktuelle Patientenwille hat immer Vorrang. Auf eine frühere  Willensbekundung des Patienten in einer Patientenverfügung wird zur Feststellung des Patientenwillens erst dann zurückgegriffen, wenn ein Umstand eingetreten ist, dass er sich weder äussern kann, noch einwilligungsfähig ist.

Die Patientenverfügung regelt jedoch nicht, welche Personen entsprechende Entscheidungen treffen müssen um den Patientenwillen durchzusetzen.

Aus diesem Grund ist als Ergänzung zur Patientenverfügung eine schriftliche Vorsorgevollmacht empfehlenswert.

Ein oder mehrere Personen werden in der Vorsorgevollmacht ermächtigt, den Vollmachtgeber in sämtlichen der in der Vorsorgevollmacht genannten Angelegenheiten, wie zum Beispiel Gesundheitssorge und Pflege, Wohnungsangelegenheiten, Geld- und Finanzangelegenheiten, Vermögens- oder Behördenangelegenheiten zu vertreten, sofern er nicht mehr in der Lage ist, seine persönlichen Angelegenheiten selbst zu erledigen. Dabei ist dem Patientenwillen zu entsprechen.

Der Vorteil einer Vorsorgevollmacht liegt darin, dass in einer Notfallsituation der durch die Vorsorgevollmacht ermächtigten Person, zumeist ein Angehöriger, die Bevollmächtigung bereits bekannt ist und somit schneller im Sinne des Patientenwillens gehandelt werden kann, als durch einen erst noch gerichtlich zu bestellenden Berufsbetreuer.

Durch die Vorsorgevollmacht kann eine Betreuung durch einen gerichtlich bestellten Berufsbetreuer vermieden werden, jedoch nur dann, wenn der oder die in der Vorsorgevollmacht bevollmächtigten Personen tatsächlich in der Lage sind, den Vollmachtgeber in allen Angelegenheiten zu vertreten.

Sollte eine gerichtliche Betreuung dennoch notwendig sein, so kann der Patient mit einer Betreuungsverfügung eine Person vorschlagen, die vom Gericht zum Betreuer bestellt werden soll.

Musterformulare für Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sind im Internet verfügbar.

Wir empfehlen, die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht im Beisein eines Arztes zu besprechen und zu unterzeichnen und von ihm gegenzeichnen zu lassen. Diese bei Angehörigen, Freunden oder dem Hausarzt zu hinterlegen, sodass die Vorsorgeverfügungen im Bedarfsfall schnell aufzufinden sind.