«

»

Rechtsform bei Einpersonengründung

Vor der Gründung des Unternehmens sollte bereits geklärt sein, ob der Existenzgründer das Unternehmen alleine organisieren möchte oder ob es sinnvoll ist, das Unternehmen mit anderen Unternehmern in Gemeinschaft zu betreiben.

 

Bei jeder Unternehmensgründung stellt sich die Frage nach der passenden Rechtsform für das Unternehmen. Nicht jede Rechtsform ist für Existenzgründungen geeignet. So sollte der Existenzgründer in der Regel darauf bedacht sein, eine für sich möglichst einfache und überschaubare Rechtsform mit geringem Gründungsaufwand zu finden, die seiner individuellen Situation, seiner Haftungsbereitschaft und seinem vorhandenen Startkapital am besten entspricht.

 

Die Mehrzahl der Existenzgründungen sind Einzelunternehmen. Die Vorteile bestehen hier  eindeutig in der hohen Flexibilität des Unternehmers und der einfachen Unternehmensstruktur. Vertragliche Vereinbarungen zwischen Mitunternehmern und die aus unklaren Vereinbarungen resultierenden Missverständnisse und Kommunikationsprobleme sind im Einzelunternehmen kein Thema. Bei Gründung des Einzelunternehmens ist kein Mindestkapital erforderlich und der Gründungsaufwand ist gering. Der Einzelunternehmer haftet persönlich. Der Vorteil der persönlichen Haftung ist die eindeutig höhere Kredit- und Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens, ein Nachteil ist jedoch die unbeschränkte persönliche Haftung des Unternehmers selbst. Der Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung oder Berufshaftpflichtversicherung ist daher zu empfehlen.

 

Eine andere Möglichkeit als einzelne Person ein Unternehmen zu betreiben, besteht in der Gründung einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) oder einer Mini-GmbH, richtig bezeichnet als Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Sie ist die Variante einer GmbH und gilt als Alternative zu der in den vergangenen Jahren immer beliebteren Rechtsform der britischen Limited.

 

Die GmbH sowie die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), abgekürzt

UG (haftungsbeschränkt), sind Kapitalgesellschaften und als juristische Personen rechtsfähig, dass bedeutet sie können unter eigenem Namen Verträge abschließen, Eigentum erwerben vor Gericht klagen und verklagt werden. Die Gesellschaft wird durch den Geschäftsführer vertreten. Die Willensbildung der Gesellschaft erfolgt durch Beschlussfassung der Gesellschafter auf der Gesellschafterversammlung.

 

Bei der Möglichkeit als einzelne Person eine GmbH oder Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) zu betreiben, wird die Gesellschaft durch einen  Gesellschaftergeschäftsführer vertreten, der gleichzeitig Gesellschafter und Geschäftsführer in einer Person ist. Zur klaren Abgrenzung der Stellung des Gesellschaftergeschäftsführers zwischen Gesellschafter und Geschäftsführer dient der Abschluss eines Geschäftsführervertrags zwischen Gesellschaft und Geschäftsführer.

 

Der Vorteil der GmbH sowie der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) liegt hier grundsätzlich in der Beschränkung der Haftung auf das Stammkapital der Gesellschaft, welches sich aus den Stammeinlagen der Gesellschafter zusammensetzt.

Das bedeutet, die Gesellschafter haften grundsätzlich nicht persönlich gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft. Jedoch haften Gesellschaftergeschäftsführer persönlich gegenüber der Gesellschaft, sofern sie eine Pflichtverletzung zu vertreten haben.

 

Die Gründung der GmbH ist mit einem vergleichsweise hohen bürokratischen Aufwand, sowie entsprechend hohen Gründungskosten verbunden. Die unter anderem aus diesem Grund insbesondere für Existenzgründungen entstandene GmbH-Variante Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) mindert diesen Nachteil durch Verwendung von Standardgesellschaftsverträgen, Musterprotokoll, bei der Standardgründung. Dadurch werden Notar- und Rechtsanwaltskosten anteilig vermindert. Jedoch ist zur Gründung und Anmeldung im Handelsregister zwingend ein Notar erforderlich. Eine Sachgründung ist bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) nicht möglich.

 

Während das Mindeststammkapital einer GmbH 25.000 Euro beträgt, ist bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) nur 1 Euro Mindeststammkapital bei Gründung durch einen Gesellschafter erforderlich und muss vor Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister voll eingezahlt sein. Hier spiegelt sich der Vorteil sofort als Nachteil in der Frage der Kreditwürdigkeit der Gesellschaft wieder, da den Banken bei Darlehensfinanzierungen in der Regel zusätzlich Sicherheiten aus dem Privatvermögen des Gesellschafters gestellt werden müssen.

 

Es besteht bei der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) zusätzlich die Pflicht zur Bildung einer gesetzlichen Rücklage in der Bilanz über 25 % des Jahresüberschusses bis zum Erreichen einer Summe von 25.000 Euro. Die Gewinnthesaurierungsverpflichtung besteht solange, bis eine formelle Kapitalerhöhung auf mindestens 25.000 Euro beschlossen und durch Handelsregistereintrag wirksam geworden ist. Hier entstehen weitere Notar- und Gerichtskosten. Die formelle Kapitalerhöhung durch Gesellschafterbeschluss und notarieller Beurkundung ist für den freiwilligen Übergang der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) zur normalen GmbH erforderlich.

 

Die Private Limited Company, kurz Limited oder Ltd. stellt eine weitere Möglichkeit dar, als einzelne Person, die gleichzeitig alleiniger Shareholder (Gesellschafter) und Direktor (Geschäftsführer) ist, ein Unternehmen zu betreiben. Die Limited ist die britische Version der deutschen GmbH. Der Ort der Geschäftsleitung (Verwaltungssitz) in Deutschland wird durch eine Zweigniederlassung errichtet, während der Satzungssitz mit Zustellanschrift (Registered Office) in England verbleibt.

 

Die Limited kann ohne notarielle Beurkundung mit einer Einlage von mindestens einem britischen Pfund innerhalb eines Tages gegründet werden. Die Einlage kann in Bar oder durch Sacheinlagen erbracht werden.

 

Neben dem Unternehmer, der zugleich einziger Shareholder und einziger Direktor ist, muss noch ein Secretary (Schriftführer) benannt werden. Dies kann eine Person zum Beispiel eine Unternehmensberatung aussserhalb der Limited sein. Der Secretary hat

die Aufgabe als Kontaktperson die Kommunikation über das Registered Office mit den englischen Behörden zur Entlastung des Direktors zu übernehmen. Hier entstehen zusätzliche Verwaltungskosten.

 

Die Haftung der Shareholder (Gesellschafter) erfolgt in Höhe der erbrachten Einlage, verübte Straftaten oder eine Insolvenzverschleppung kann zur persönlichen Haftung des Directors (Geschäftsführers) führen.

 

Eine Limited mit Geschäftsleitung in Deutschland muss den Publizitätspflichten nach englischen Bilanzierungsstandards nachkommen. Ist die Limited ausschließlich in Deutschland tätig, so muss sie nur in Deutschland Steuern zahlen und wird wie eine GmbH steuerlich behandelt. Daraus folgt, dass deutsches Recht und englisches Recht zur Anwendung kommt. Darüber hinaus verursachen die jährlichen Pflichten, wie die Abgabe des Jahresabschlusses (Annual Account) der Limited in englischer Sprache sowie die Meldungen (Annual Return) an das Companies House (englisches Handelsregister) regelmässig wiederkehrende zusätzliche Verwaltungskosten.

 

Für den Unternehmensgründer, der sich international geschäftlich betätigen möchte, ist die Limited aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades im internationalen Geschäftsverkehr durchaus eine geeignete Rechtsformwahl.