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Steuerliche Liebhaberei

Steuerpflichtige haben grundsätzlich die Möglichkeit, Verluste durch Verlustausgleich mit positiven Einkünften der gleichen oder anderer Einkunftsarten zu verrechnen und damit die Steuern zu mindern.

Durch Verlustrücktrag oder Verlustvortrag, begrifflich zusammengefasst als Verlustabzug,  kann die Steuerminderung sogar in anderen Jahren als dem Entstehungsjahr des Verlusts erreicht werden.

Das Finanzamt prüft, ob geltend gemachte Verluste, ertragsteuerlich zu berücksichtigen sind, oder ob mit der zugrunde liegenden Tätigkeit private Motive des Steuerpflichtigen im Vordergrund stehen und die Tätigkeit somit ertragsteuerlich irrelevant ist.

Ertragsteuerlich irrelevante Tätigkeiten werden durch den Begriff Liebhaberei bezeichnet, der durch die Rechtsprechung geprägt worden ist. Der Begriff Liebhaberei ist in den Steuergesetzen nicht geregelt.

Einkünfte sind nur dann der Besteuerung zugrunde zu legen, wenn die Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht und der Absicht, einen Totalgewinn zu erzielen, ausgeübt wird. Betrachtet wird dabei der gesamte Zeitraum des Bestehens der Einkunftsquelle (Unternehmen). Das bedeutet, es muss die Absicht bestehen letztendlich ein positives Gesamtergebnis zu erzielen. Fehlt es an der Totalgewinnerzielungsabsicht, stehen für die ausgeübte Tätigkeit private Motive des Steuerpflichtigen im Vordergrund und es handelt sich um steuerliche Liebhaberei.

Kriterien für die Annahme der steuerlichen Liebhaberei:

  • Obwohl über einen langen Zeitraum Verluste anfallen, wird die Tätigkeit nicht aufgegeben und es werden keine strategischen Massnahmen zur Verbesserung der Ertragslage ergriffen.
  • Es handelt sich um Tätigkeiten, die als Hobby betrachtet werden können.
  • Anhand der Totalüberschussprognose wird ermittelt, das kein Totalgewinn zu erreichen ist, wobei der Betrachtungszeitraum auf die voraussichtliche Unternehmensdauer abzielt, die sehr variieren kann.

Die steuerliche Liebhaberei zielt ausschliesslich auf die ertragsteuerliche Betrachtung ab, die umsatzsteuerrechtliche Unternehmereigenschaft bleibt erhalten.

Beispiele steuerliche Liebhaberei:

  • Ein Arzt betreibt nebenberuflich ein Antiquariat. In elf von sechzehn Jahren erwirtschaftete er mit dem Betrieb des Antiquariats jeweils einen Verlust. Im Saldo überstieg der Verlust den Gewinn. Auch hier wurde steuerliche Liebhaberei angenommen.
  • Die mehrjährige Verlustperiode beim Betrieb eines Tonstudios ist als steuerliche Liebhaberei zu betrachten, wenn das Engagement des Steuerpflichtigen in der anders gearteten hauptberuflichen Tätigkeit bezüglich der Nebentätigkeit auf Dauer Überschüsse nicht erwarten lässt.
  • Die nebenberufliche Vermietung einer Segelyacht ist steuerliche Liebhaberei, wenn wegen hoher Fixkosten selbst bei lückenloser Vermietung während der gesamten Saison auf Dauer gesehen kein Totalgewinn zu erzielen ist.
  • Eine nebenberuflich ausgeübte künstlerische Tätigkeit ist als steuerliche Liebhaberei zu betrachten, wenn über Jahre hinweg Verluste erzielt werden, der Künstler nur an wenigen Ausstellungen teilnimmt und ansonsten keine Bemühungen nachgewiesen werden, dass aktiv nach Absatzmöglichkeiten gesucht worden ist.